Ein Viertel vom Umsatz, verkauft für den halben Konzernwert. Bei Gerresheimer liefert der Aktivist.
Am 29. Juli hat Gerresheimer den Verkauf von Centor und dem Primary-Packaging-Plastics-Geschäft an Fonds von Apax vereinbart. Enterprise Value: rund 1,5 Mrd. €, für Einheiten mit rund 570 Mio. € Umsatz 2025, einem Viertel des Konzernumsatzes. Der ganze Konzern kam vor der Meldung auf rund 2,9 Mrd. € Unternehmenswert: 0,9 Mrd. € Börsenwert plus 2 Mrd. € Nettoverschuldung. Ein Viertel des Umsatzes bringt gut die Hälfte des Konzernwerts, für die restlichen drei Viertel bleiben 1,4 Mrd. € übrig.
Einen EBITDA-Split nennen die Parteien nicht. Aber beide Einheiten liegen im Segment Plastics & Devices (1,3 Mrd. € Umsatz): 23,4% EBITDA-Marge, Konzern 16,5%. Überschlägig mit der Segmentmarge gerechnet zahlt Apax rund das 11-fache EBITDA. Der Konzern stand davor beim 7,5-fachen.
Zur Erinnerung: Im März 2025 bot ein Konsortium um KKR und Warburg Pincus nach Reuters-Informationen rund 90 € je Aktie, der Vorstand beendete die Gespräche. Danach kollabierte die Story: mehrfach gesenkte Prognosen, Bilanzfehler rund um Bill-and-Hold, BaFin-Bilanzprüfung, verschobener Jahresabschluss, CEO- und CFO-Wechsel. Ende Juni kam das Testat: 320 Mio. € Nettoverlust für 2025, geprägt von Abschreibungen. Die Aktie fiel von den kolportierten 90 € zeitweise bis auf knapp 15 €.
In diese Krise hinein hat Active Ownership Capital die Position auf effektiv knapp 17% ausgebaut (Mai 2026), Zukäufe um 25 €. Klaus Röhrig sitzt im Aufsichtsrat und im Prüfungsausschuss, der neue CFO kam auf Initiative des Aktivisten. Mein Punkt dazu im Juni: Ein Aktivist baut nicht auf 17% aus, um zuzusehen. Follow the money.
Fünf Wochen später liegt der erste Exit auf dem Tisch. Der Erlös geht in den Schuldenabbau: Bei einem Leverage von zuletzt knapp 5x ist das das Kernproblem der Bilanz. Die Wirtschaftsprüfer verwiesen im Testat auf Centor-Verkauf und Refinanzierungsbedarf. Vollzogen ist davon noch nichts, aber mit dem Closing wäre genau dieses Risiko adressiert: Verschuldung runter, Zinslast runter, Handlungsfähigkeit zurück.
Der nächste Schritt: Das Moulded-Glass-Geschäft ist als eigenes Segment separiert, der Verkauf dürfte folgen.
Risiken bleiben: Beide Closings stehen aus (bis H1 2026/27), die BaFin-Prüfung läuft, die Guidance 2026 wurde gesenkt, der Free Cashflow bleibt vorerst negativ.
Deshalb schauen wir bei Sondersituationen zuerst auf den Aktionärskreis: Wenn einer der größten Eigentümer im Prüfungsausschuss sitzt und eigenes Geld im Feuer hat, werden aus Sum-of-the-Parts-Rechnungen Transaktionen.
Quelle: Gerresheimer-Pressemitteilung vom 29.07.2026
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hielt der Qualitas Alta Value Fund eine Position in Gerresheimer.
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