Gerresheimer: Ein Aktivist im Aufsichtsrat und eine Sum-of-the-Parts-Story

90 € im März 2025 abgelehnt, im Juni 2026 rund 26 €. Und ein Aktivist sitzt jetzt im Aufsichtsrat.

März 2025: Ein Konsortium aus KKR, Warburg Pincus und Abu Dhabi Investment Authority legt ein unverbindliches Angebot von rund 90 € je Aktie vor, Equity-Bewertung gut 3,1 Mrd. €. KKR steigt im April aus, Warburg Pincus und KPS kommen nur in die 70er. Im Juli 2025 beendet der Vorstand die Gespräche.

Dann kollabiert die Story: Prognose mehrfach gesenkt, Bilanzprobleme rund um Bill-and-Hold, BaFin-Bilanzprüfung, Jahresabschluss 2025 mehrfach verschoben und erst für Juni 2026 erwartet, gegebenenfalls drohen 220 bis 240 Mio. € Impairments. Die Aktie verliert ausgehend von 90 € im Tief rund 75% und notiert so tief wie zuletzt 2012.

Genau in dieses Loch hinein baut Active Ownership Capital seine Position auf effektiv 16,85% aus (13,67% direkt). Klaus Röhrig sitzt im Aufsichtsrat und im Prüfungsausschuss.

Solche Setups schaue ich mir genau an. Ein Aktivist baut nicht auf 16,85% aus, um zuzusehen. Er übernimmt Verantwortung dort, wo bei dieser Aktie die Musik spielt: im Aufsichtsrat und im Prüfungsausschuss.

Und der Vorstand ist neu aufgestellt. Seit November 2025 führt Uwe Röhrhoff, Gerresheimer-CEO von 2010 bis 2017, das Unternehmen interimistisch. Der neue CFO Wolf Lehmann kam auf Initiative des Aktivisten. Der Auftrag ist eindeutig: Bilanz bereinigen, Assets verkaufen, Vertrauen zurückgewinnen.

Und es wird geliefert. Morgan Stanley ist für den Verkauf von Centor mandatiert, der Prozess läuft mit zweistelliger Bieterzahl und soll 2026 abschließen. Centor gilt als eines der profitabelsten Segmente von Gerresheimer. Das Moulded-Glass-Geschäft wird als eigenes Segment abgespalten, der Verkauf folgt später.

Gerresheimer gehört zu den meist leerverkauften Werten Deutschlands, die veröffentlichte Netto-Shortquote lag im Juni 2026 über 9%. Zuletzt fahren erste Hedgefonds ihre Wetten zurück. Wenn der Free Float zwischen Aktivist und weiteren Großaktionären enger wird, kann das Schließen dieser Shorts zusätzlichen Kaufdruck erzeugen.

Was im März 2025 freiwillig hätte passieren können, wird jetzt umgesetzt: von einem neuen Vorstand mit klarem Auftrag, getragen von Aufsichtsrat und größtem Eigentümer. Eine Sum-of-the-Parts-Story, die der alte Vorstand nicht heben wollte, bekommt eine Führung, die sie heben soll, und Eigentümer, die sie dabei tragen.

Offene Punkte bleiben: BaFin-Prüfung, ausstehender Abschluss, finale Impairment-Zahlen. Aber zum ersten Mal seit Beginn der Krise ziehen Management, Kontrollgremium und größter Aktionär in dieselbe Richtung.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hielt der Qualitas Alta Value Fund eine Position in Gerresheimer.
Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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