Ernst Russ: Flotte 440 Mio. €, Börsenwert 270 Mio. €

Die Flotte: rund 440 Mio. €. Der Börsenwert: 270 Mio. €. Dazwischen liegen 27 Schiffe.

Ernst Russ hat am 25. August Halbjahreszahlen vorgelegt: 78,6 Mio. € Umsatz, 24,6 Mio. € EBIT. Ohne die Schiffsverkäufe des Vorjahres liegt das operative Ergebnis 5,6% über Vorjahr. Die durchschnittliche Charterrate stieg um 13,2% auf 19.716 $ pro Tag, die Auslastung liegt bei 98,3%. Die EBIT-Prognose für 2026 hat die Hamburger Reederei auf 45 bis 55 Mio. € angehoben.

Warum ich zum ersten Mal über Ernst Russ schreibe: wegen der Lücke zwischen Bilanz und Kurs.

Die Substanz. Per 30. Juni fuhren 27 Schiffe, überwiegend Container-Feeder, Marktwert 440 Mio. € nach Minderheiten und Verbindlichkeiten. Dazu 118 Mio. € Liquidität und nur 66 Mio. € Finanzschulden, heißt 52 Mio. € Nettoliquidität und eine Eigenkapitalquote von 73,4%. Dagegen stehen 270 Mio. € Börsenwert, Stand 25. August.

Die Sichtbarkeit. Der Auftragsbestand liegt inklusive Pipeline bei 688,6 Mio. $, knapp das Zweieinhalbfache des Vorjahres. Die Charterverträge der Bestandsflotte laufen im Schnitt noch mindestens 21,8 Monate, mit den bestellten Neubauten 32. Vom Umsatzziel 2026 (145 bis 160 Mio. €) sind 151,4 Mio. € kontrahiert. Fallende Raten kämen hier erst nach und nach an. Aktuell passiert das Gegenteil: Das Management berichtet von einem quasi ausverkauften Markt für Anschlusschartern und erwartet Verlängerungen über den auslaufenden Raten.

Der Einwand. Ein Durchschnittsalter von 16,8 Jahren ist die offene Flanke, und genau daran arbeitet Ernst Russ. Alte Feeder gehen über Buchwert aus der Flotte, der Verkauf der EF Emira bringt in Q3 12,8 Mio. € Gewinn. Dazu zwei junge Mehrzweckfrachter, vier Tanker-Neubauten 2027 mit Fünfjahres-Chartern, zwei Container-Neubauten 2028 mit Zehnjahres-Chartern.

Die Raten profitieren allerdings von Umwegen. Im Juni umfuhren 741 Containerschiffe das Rote Meer, die Transite durch die Straße von Hormuz liegen laut Clarksons rund 90% unter Vorkonflikt-Niveau. Öffnen sich die Routen, kommt Kapazität zurück und die Raten geben nach. Auch die Schiffswerte hängen an den Raten, der Abschlag kann sich von beiden Seiten schließen. Der Puffer: der Auftragsbestand.

Ernst Russ gehört zu den Positionen im Qualitas Alta Value Fund. 270 Mio. € Börsenwert, 28% Streubesitz. Für die meisten Fonds ist das zu klein. Mein Fokus liegt auf dem Umbau: mehr Streubesitz, weniger Minderheiten, jüngere Flotte. Charterraten kann ich nicht prognostizieren. Verkäufe über Buchwert kann ich nachrechnen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hielt der Qualitas Alta Value Fund eine Position in Ernst Russ.
Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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