Verkaufsdisziplin: Drei Gründe, eine Position zu verkaufen

Mein teuerster Fehler war nie ein falscher Kauf. Es war das Halten.

In den Investmentprozessen, die ich kenne, ist der Einstieg sauber beschrieben. Der Ausstieg bleibt Bauchgefühl. Dabei entscheidet er, was von einer guten These am Ende als Rendite ankommt.

Für uns gibt es genau drei Gründe, eine Position zu verkaufen.

1. Der Katalysator ist eingetreten, der Abschlag ist geschlossen.
Der langweiligste Ausstieg und meistens der beste. Die Randsparte ist verkauft, der Konglomeratsabschlag hat sich aufgelöst, der Kurs steht am inneren Wert. Die These ist abgearbeitet. Wer dann bleibt, hält eine Aktie und eine Hoffnung.

2. Die These ist widerlegt, nicht nur verzögert.
Ein fallender Kurs ist keine neue Information. Ein gerissener Covenant schon. Ein Management, das die angekündigte Strukturmaßnahme still kassiert, auch. Der Unterschied zwischen einer schlechten Nachricht und der schlechten Laune des Marktes ist die teuerste Unterscheidung in diesem Geschäft. Deshalb schreiben wir bei jedem Einstieg auf, was die These widerlegen würde. Diese Liste entsteht vor dem Kauf und trägt ein Datum. Bei 30% Minus schreibt niemand mehr ehrlich auf, was er falsch eingeschätzt hat.

3. Es gibt eine bessere Gelegenheit im gleichen Risikoprofil.
Bei unter 30 Positionen ist jeder Kauf auch eine Verkaufsentscheidung. Eine neue Idee tritt gegen die schwächste Position im Portfolio an. Sie muss diesen Vergleich gewinnen, sonst bleibt sie auf der Beobachtungsliste. Verglichen werden Abschlag und Verlustszenario, nicht die erhoffte Rendite.

Ein runder Kursgewinn gehört nicht dazu. 50% sind eine Zahl, kein Argument. Und eine Schlagzeile zählt erst, wenn sie eine der Annahmen trifft, auf denen die These steht.

In DACH-Nebenwerten kommt zweierlei hinzu. Zeit allein ist kein Grund: Bei Titeln ohne Coverage gehört Warten zum Geschäft, gelegentlich über Jahre. Und ein Ausstieg braucht Vorlauf. Wer bei dünnen Umsätzen erst anfängt zu verkaufen, wenn er verkaufen will, verkauft schlecht.

Die Grenze zwischen widerlegt und verzögert bleibt im Einzelfall unscharf. Ich habe sie in über 30 Jahren am Kapitalmarkt in beide Richtungen falsch gezogen, zu früh verkauft und zu lange gehalten. Das Zweite war jedes Mal teurer.

Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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Wenn der Katalysator ausbleibt

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