Die meisten Katalysator-Thesen sind nicht falsch. Sie sind zu früh.
Der Spin-off kommt, zwei Jahre später als angekündigt. Das neue Management räumt auf, aber erst nach dem nächsten Abschreibungszyklus. Beides passiert. Nur in einem Zeitraum, den niemand eingeplant hat.
Der teurere Teil der Rechnung taucht dabei nirgends auf. Kapital, das drei Jahre auf eine Neubewertung wartet, verdient in diesen drei Jahren nichts. Es gibt keinen realisierten Verlust und keine Abschreibung, im Reporting steht davon kein Wort. Opportunitätskosten sind der einzige Verlust, den niemand ausweist.
In DACH-Nebenwerten wiegt das schwerer. Wenn einen Titel zwei Analysten abdecken, korrigiert der Markt eine Fehlbewertung nicht von allein. Es braucht ein Ereignis, und ein Ereignis braucht einen Zeitpunkt.
Ich habe früher notiert, warum ich eine Position aufbaue. Wann ich sie wieder infrage stelle, stand nirgends.
Seitdem schreibe ich bei jedem neuen Investment drei Dinge mit.
1. Das Zeitfenster
Bis wann sollte der Auslöser sichtbar sein? Die Frist läuft auf das Ereignis, nicht auf den Kurs. Bei einem angekündigten Spin-off ist das der Vollzugstermin plus Puffer, bei einem operativen Turnaround eher zwei bis drei Berichtszyklen.
2. Die Abbruchbedingung
Woran würde ich merken, dass es nicht passiert? Die Antwort muss ein überprüfbarer Satz sein: Der Spin-off wird bis zur Hauptversammlung bestätigt. Oder das Management nennt im Q3-Call ein Datum. Wenn mir dazu nichts einfällt, ist die These nicht überprüfbar. Sie ist nur überzeugend.
3. Der Prüftermin
Wann sehe ich mir das wieder an? Der Termin steht im Kalender, bevor die Position im Portfolio ist. Wer erst prüft, wenn gerade Zeit dafür ist, prüft nie.
Das heißt nicht, dass eine Position nach zwei Jahren automatisch aus dem Portfolio fliegt. Ich habe Titel gehalten, die lange gegen mich liefen. In einigen Fällen war das richtig, in anderen habe ich zu lange gewartet. Geduld setzt voraus, dass ich weiß, worauf ich warte. Sturheit kommt ohne dieses Wissen aus.
Wer nichts aufschreibt, überprüft seine These erst, wenn der Kurs ihn dazu zwingt. Das ist der schlechteste Moment für eine ehrliche Antwort.
Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

