Brockhaus: Wie der Markt eine öffentliche Unterbewertung in Raten bezahlt

240 Mio. € Erlös für 170 Mio. € Börsenwert. Alles öffentlich. Der Markt zahlte trotzdem nur in Raten.

Am 9. Juli 2026 hat Brockhaus Technologies mit der Einladung zur Hauptversammlung ausformuliert, was mit dem Erlös aus dem Bikeleasing-Verkauf passiert: ein öffentliches Rückkaufangebot über bis zu 90 Mio. € zu 24,00 € je Aktie, dazu die Vorbereitung weiterer Ausschüttungen. Insgesamt sollen rund 180 Mio. € an die Aktionäre zurückfließen, knapp über 17 € je Aktie.

Im April hieß es an dieser Stelle noch: Die Struktur der Rückführung ist offen. Diese Frage ist jetzt beantwortet. Der Case, den ich Anfang des Jahres bei Tim Habicht („Future Fundstars“) vorgestellt habe, ist im letzten Akt angekommen.

Interessanter als das Ergebnis ist der Weg dorthin. Er zeigt in Zeitlupe, wie ineffizient dieses Marktsegment ist.

Dezember 2025: Brockhaus signiert den Verkauf der 52%-Beteiligung an der Bikeleasing-Gruppe an Decathlon Pulse. Erwarteter Nettoerlös: rund 240 Mio. €. Die gesamte AG kostete an der Börse rund 170 Mio. €. Dazu gab es IHSE, ein profitables KVM-Technologiegeschäft, rechnerisch umsonst. Einwand des Marktes: Unklar, was das Management damit vorhat.

April 2026: Ad-hoc. Der überwiegende Teil des Nettoerlöses soll zeitnah an die Aktionäre fließen. Die Aktie steigt auf 19 €, rund 200 Mio. € Marktkapitalisierung. Kaufen konnte man immer noch unter dem erwarteten Nettoerlös. Einwand: Die Struktur ist offen.

Juni 2026: Rund 180 Mio. € Rückführung werden konkret benannt. Kurs 19,75 €, rund 206 Mio. € Marktkapitalisierung. Einwand: Die Hauptversammlung muss noch zustimmen.

Juli 2026: Struktur ausformuliert, Closing vollzogen. Kurs 21,40 €, rund 224 Mio. € Marktkapitalisierung. Immer noch weniger als Rückführung plus das, was an Erlös und Substanz im Konzern verbleibt.

Sechseinhalb Monate stand all das in öffentlichen Ad-hoc-Meldungen. Es gab keinen Informationsvorsprung, nur eine Prämie für alle, die drei Restunsicherheiten tragen wollten: Capital Allocation, Struktur, Formalie.

In einem DAX-Wert wäre diese Lücke binnen Tagen wegarbitriert. In einem Micro Cap ohne Analystenabdeckung schließt sie niemand für dich. Der Markt bezahlt die Rechnung erst, wenn die Unsicherheit Stück für Stück herausgenommen wird. Genau deshalb arbeiten wir in diesem Segment.

Risiken bleiben auch hier: Die Hauptversammlung am 19. August muss zustimmen, der finale Kaufpreis wird erst per Zwischenabschluss zum 30. Juni ermittelt, und der verbleibende Konzern ist ein anderes Investment als die Sondersituation davor.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hielt der Qualitas Alta Value Fund eine Position in der Brockhaus Technologies AG.
Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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