Was unterscheidet Überzeugung von Sturheit?
Nicht die Lautstärke der Meinung, sondern die Disziplin, sie jeden Tag ehrlich zu testen.
Ein Beispiel aus meinem Portfolio: United Internet.
These: United Internet hat jahrelang massiv in den Mobilfunknetz-Ausbau über 1&1 investiert. Diese Investitionen haben den Free Cash Flow gedrückt und die Aktie belastet, obwohl das operative Geschäft eine Cashmaschine ist. Dazu ein klassischer Konglomeratsabschlag. Die Summe der Einzelteile (IONOS, 1&1, Versatel) war deutlich mehr wert als der Konzern an der Börse.
Nach meinem Einstieg lief der Kurs erst gegen mich. Januar 2025: zeitweise unter 15 Euro, rund 25% unter Einstand. Der Netzausbau verzögerte sich, die Kosten drückten weiter.
Die Frage ist dann immer: Hat sich die These verändert, oder nur der Preis?
Ich habe geprüft. Wieder und wieder. Substanz intakt, Investitionsphase endlich. Also gehalten.
Und dann beginnt genau das, was bei unterbewerteten Konglomeraten irgendwann passieren muss. Der Markt fängt an, die Teile einzeln zu sehen:
→ 2023: IONOS-Börsengang. Die Cloud-Sparte bekommt erstmals einen eigenen, transparenten Preis.
→ Ende Februar 2026: Berichte über mögliches Kaufinteresse von Telefónica an 1&1. Aktie zweistellig im Plus.
Wenn das Mobilfunkgeschäft tatsächlich verkauft wird, fällt der größte Capex-Block weg. Dann wird der wahre Cashflow des restlichen Konzerns sichtbar.
Das ist für mich der Kern von diszipliniertem Value Investing: Nicht den nächsten Katalysator vorhersagen. Sondern Situationen finden, in denen Katalysatoren fast zwangsläufig eintreten müssen, und die Geduld aufbringen zu warten.
Der Kurs sagt dir, was der Markt heute denkt.
Die These sagt dir, was das Unternehmen wert ist.
Solange sich nur Ersteres ändert, ändere ich nichts.
Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

