Hohe Unsicherheit heißt nicht automatisch kleine Position. Es kommt auf den Abschlag an.
Die gängige Regel lautet: Je sicherer ich mir bin, desto größer die Position. Für die meisten Fälle stimmt das. Für die interessantesten nicht. Überzeugung sagt mir, ob ich ein Unternehmen verstehe. Über das Gewicht entscheidet, wie viel ich im schlechten Szenario verliere und was ich dafür bekomme.
Bei mir ergibt das drei Ebenen:
1. Das Fundament
Unternehmen, deren Geschäft ich gut einschätzen kann und bei denen der Weg zum fairen Wert klar ist. Solide Bilanz, verlässliche Ertragskraft, ein absehbarer Katalysator. Diese Positionen gewichte ich hoch, weil ich das schlechte Szenario eng eingrenzen kann.
2. Der offene Zeitpunkt
Wird der Katalysator unklarer oder das Geschäft schwerer einzuschätzen, wird die Position kleiner. Die These kann trotzdem stimmen. Aber ein Fall, dessen Zeitpunkt ich nicht kenne, darf das Portfolio nicht dominieren.
3. Die Ausnahme
Ein Unternehmen mit hoher Unsicherheit kann trotzdem eine große Position werden. Dann, wenn der Kurs mehr Pessimismus einpreist, als selbst das schlechte Szenario rechtfertigt. Vereinfacht: Im schlechten Szenario komme ich auf 20 € je Aktie, im Basisfall auf 35 €. Notiert die Aktie bei 18 €, zahle ich für die Unsicherheit nichts mehr. Solche Kurse sehe ich fast nur bei Nebenwerten, die kaum ein Analyst covert und die nach einer Gewinnwarnung niemand mehr anfassen will.
Das verlangt Disziplin in beide Richtungen. Eine Position aus dem Fundament wird kleiner, wenn der Kurs davonläuft und der Abschlag schrumpft. Eine Ausnahme wird kleiner, wenn sich das schlechte Szenario als zu freundlich herausstellt. Das Gewicht prüfe ich mit jedem Quartalsbericht neu.
Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

