Auf dem Papier ein seltener Value-Fall wie aus dem Lehrbuch. Knapp die Hälfte hängt an einer Aktie.
MBB hat am 21. Oktober vorläufige Zahlen zum dritten Quartal gemeldet. Bereinigtes EBITDA plus 25% auf 84 Mio. €, davon 80,9 Mio. € von Friedrich Vorwerk, die MBB voll konsolidiert. Die Margenprognose steigt zum zweiten Mal in diesem Jahr, auf 22 bis 24%.
Interessanter als das Quartal finde ich die Summe der Teile. Gerechnet nur mit dem, was MBB gehört (Anteile per 30.06., Aumann nach Rückkauf, Kurse vom 23.10.2026):
→ Liquidität der Holding inkl. Wertpapiere: 455 Mio. €
→ 40,5% an Friedrich Vorwerk: 561 Mio. €
→ 39% an Aumann: 60 Mio. €
→ 56% an Delignit: 14 Mio. €
Zusammen 1.089 Mio. €, bei 5,2 Mio. Aktien im Umlauf (ohne eigene) rund 209 € je Aktie. Die Börse bewertete MBB am 23. Oktober mit 1.066 Mio. €.
Beim Nachrechnen aufpassen: In der Meldung stehen 793 Mio. € Nettoliquidität. Davon liegen 339 Mio. € in den Töchtern, vor allem bei Vorwerk und Aumann, an denen MBB nur rund 40% hält. Dieses Geld steckt schon in deren Börsenwert. Wer Konzern-Cash und Beteiligungswerte addiert, zählt doppelt.
Warum Lehrbuch?
Der Preis: Liquidität und börsennotierte Beteiligungen decken den Kurs von 205 € knapp. Die zwei nicht börsennotierten Töchter bewertet die Börse damit rechnerisch mit null, sogar leicht darunter. DTS (80%), IT-Dienstleister für Cyber Security und Cloud: 116 Mio. € Umsatz, rund 17 Mio. € EBITDA 2025. Hanke (93%), Tissue aus Polen: 61 Mio. € Umsatz. Mit dem 6- bis 10-fachen EBITDA für DTS und dem 4- bis 7-fachen für Hanke, abzüglich ihrer Schulden, sind das für MBB 75 bis 150 Mio. €. Insgesamt komme ich auf 224 bis 238 € je Aktie, vor Holdingkosten.
Die Eigentümer: MBB ist familiengeführt. Die Gesellschaft von Verwaltungsratschef Christof Nesemeier hat im Juli und Oktober für gut 1 Mio. € Aktien gekauft, zu durchschnittlich 167 bis 173 €. Für mich zeigt das Interessengleichlauf, kein Kurssignal. MBB selbst hat im ersten Halbjahr eigene Aktien zu durchschnittlich 201 € zurückgekauft und den Vorwerk-Bestand um 756.190 Aktien reduziert. Ein Teil des Vorwerk-Werts liegt so schon in der Holding-Kasse.
Die Risiken: Vorwerk macht knapp die Hälfte des Gesamtwerts aus. 10 € Kursbewegung bei Vorwerk verschieben den MBB-Wert um rund 16 € je Aktie. Der Auftragseingang bei Vorwerk lag im dritten Quartal mehr als ein Drittel unter Vorjahr. Rekordmargen müssen nicht bleiben. Und bei 455 Mio. € in der Kasse zählt, was das Management mit dem Geld macht.
Mehr zu Aumann und dem Rückkaufangebot: Aumann: Profitabel, schuldenfrei und jetzt kauft es sich selbst zurück. Quelle: MBB Halbjahresfinanzbericht 2026
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hielt der Qualitas Alta Value Fund Positionen in MBB SE, Friedrich Vorwerk und Aumann.
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