Einstelliges KGV. Verdoppelter Gewinn. Eines davon ist ein Irrtum.
Das Unternehmen heißt Lang & Schwarz. Im ersten Quartal 2026 lag das Konzernergebnis vor Sondereffekten bei 32,9 Mio. Euro. Ergebnis je Aktie: 3,48 Euro nach 1,87 Euro im Vorjahresquartal. Fast eine Verdoppelung. Das zweite Quartal hat operativ stark begonnen (Quelle: Lang & Schwarz, Quartalsmitteilung Q1 2026).
Die Aktie hat das nicht abgebildet. Sie notierte Mitte Mai auf einem Niveau, das bei schlichter Hochrechnung der aktuellen Ergebnisse ein KGV im niedrigen einstelligen Bereich impliziert.
Eine Frage erklärt diese Lücke fast vollständig: Was passiert, wenn Trade Republic geht?
Im Kurs steckt ein zusammenhängendes Stress-Szenario: ein regulatorisches PFOF-Verbot, in dessen Folge Trade Republic die Order-Internalisierung selbst aufbaut und die Beziehung beendet. Denkbar. Und seit Monaten eingepreist.
Ich halte das Szenario für überzeichnet. Drei Punkte, die im Kurs zu wenig auftauchen:
1. Die Zusammenarbeit mit Trade Republic läuft seit Jahren, eng und erfolgreich. Bis heute keine Ad-hoc-Meldung, kein öffentliches Signal für einen abrupten Bruch.
2. Trade Republic bereitet selbst einen IPO vor. Eine komplette Order-Internalisierung wäre in dieser Phase regulatorisch, technologisch und kapitalseitig der schwierigere Weg, nicht der naheliegende.
3. Lang & Schwarz ist kein reiner One-Client-Shop. Das Unternehmen stellt das Modell gerade um: Statt eines einzelnen Market Makers sollen mehrere Wertpapierdienstleister parallel und konkurrierend Preise stellen. Trade Republic bleibt eingebunden, das hauseigene TradeCenter agiert künftig selbst als Market Maker. Das Ziel: mehr Liquidität und bessere Preise. Was sich nach Pflichtprogramm liest, ist die strukturelle Antwort auf genau die Klumpenrisiko-Story, die der Markt einpreist.
Wir haben es trotzdem durchgerechnet: minus 50 Prozent Gewinn oder mehr. Auch dann ist das Bewertungsniveau niedrig. Das beantwortet nicht die Frage, ob das Risiko eintritt. Es beantwortet, was passiert, wenn es eintritt.
Risiken bleiben: Handelsvolumina laufen zyklisch. Und ja, ein Kunde macht weiterhin einen großen Teil der Erlöse aus.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hielt der Qualitas Alta Value Fund eine Position in Lang & Schwarz.
Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

