Was von Grahams Net-Net-Prinzip heute bleibt

Screener finden keine guten Investments. Geschäftsberichte schon.

Benjamin Graham kaufte Unternehmen, die an der Börse weniger kosteten als ihr Netto-Umlaufvermögen. Die Rechnung war einfach: Alles über dem Liquidationswert war Gewinn.

Diese Fälle gibt es kaum noch. Screener, ETFs und globaler Kapitalzugang haben die offensichtlichen Lücken geschlossen. Wer heute noch mit Grahams Original-Kriterien sucht, findet vor allem Unternehmen, die aus gutem Grund so bewertet sind.

Die Frage ist: Was bleibt vom Grundprinzip?

Für mich bleibt: kaufen, was der Markt falsch bewertet, und einen konkreten Grund haben, warum sich das ändern wird. Nur dass man diesen Grund heute nicht mehr aus einer Zeile in der Bilanz ablesen kann.

Heute muss man tiefer graben. Geschäftsberichte Seite für Seite durcharbeiten, Segmentberichterstattung verstehen, die Fußnoten lesen, die sonst niemand liest. Wie verändert sich die Marge, wenn ein Vertrag ausläuft? Was passiert mit dem Working Capital, wenn das Wachstum nachlässt? Wie verteidigbar ist die Marktposition wirklich, wenn ein Wettbewerber den Preis um zehn Prozent senkt?

Grahams Vorteil war, dass kaum jemand rechnete. Heute rechnen alle. Der Vorteil liegt nicht mehr im Rechnen, sondern im Verstehen. Im Durchdringen eines Geschäftsmodells, das von außen unspektakulär wirkt, aber bei genauer Analyse Ertragskraft zeigt, die der Markt unterschätzt.

Genau dort entstehen die Gelegenheiten: bei DACH-Mittelständlern mit wenig Analystenabdeckung, wo ein Investor, der sich wirklich in die Materie einarbeitet, einen Informationsvorsprung hat. Nicht weil die Daten geheim sind, sondern weil sich kaum jemand die Mühe macht.

Graham hat das Prinzip definiert. Wie man es nutzt, muss sich mit dem Markt verändern.

Marketinginformation. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kapitalverlustrisiko. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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